Written by 16:00 Achtsamkeit, ganzwunderbar, Meditation, Yoga, Yoga allgemein

Achtsamkeit und Spiritualität

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Liebe Margit, stell dich doch bitte einmal vor. Wer bist du und was machst du
beruflich?

Hi! Danke dass ich hier sein darf! Ich bin Margit, Ende 40 und Mutter eines zauberhaften 10jährigen Sohnes, Frau eines wunderbaren Mannes. Ich lebe und arbeite in München. Ursprünglich bin ich Sozialpädagogin und habe lange Zeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien gearbeitet. Irgendwann kamen dann Weiterbildungen dazu:

Entspannungstherapie, Meditation und seit 2009 bin ich Yogalehrerin. 10
Jahre habe ich dann erstmal meinen Grundberuf und Yoga kombiniert, bis ich
mich 2019 schließlich ganz als Yoga- und Meditationslehrerin selbständig
gemacht habe.

Achtsamkeit und Spiritualität im Lovely Spirit

2. Du bist die Gründerin von Lovely Spirit. Was kann man sich darunter
vorstellen? Wie kam es dazu?

Mein Traum war es eigentlich schon immer, „meinen eigenen Laden“ zu
haben. Mein Weg mit Yoga beginnt in meiner frühen Kindheit. Meine Mutter hatte ein
wunderbares Yogabuch (Kareen Zebroff: „Yoga für jeden“), das meine Bibel
war. Wir haben jeden Tag Yoga gemacht. Ich habe so unglaublich schöne
Erinnerungen daran. Den Kontakt zur Praxis habe ich nie verloren.

Yoga begleitet mich seit über 40 Jahren. Ziemlich bald war mir klar, dass ich keine
Trennung haben und Yoga in allen Bereichen meines Lebens haben möchte, also
natürlich auch beruflich. Ich wollte richtig tief eintauchen. Und in diesem Zusammenhang war die Ausbildung in der Tradition des Viniyoga die logische Konsequenz.

Viniyoga bedeutet Yoga für jeden und alle. Yoga, das unser Leben trägt. Yoga ohne Dogma. Für jeden Körper, für jedes Alter. Im Viniyoga üben wir zum einen funktional (no poses for the picture!) und passen das Asana an unsere Möglichkeiten, unsere Bedürfnisse und unsere Grenzen an.

Zum anderen bietet der Weg in der Tradition von Krishnamacharya eine große spirituelle Tiefe. Über die Jahre und Jahrzehnte hat sich meine eigene Praxis natürlich sehr verfeinert und weiterentwickelt. Mittlerweile fließen auch verschiedene andere
Stile in meinen Unterricht ein. Aber der Idee von YOGA PUR, das unsere
gesamte Menschlichkeit würdigt, das nichts mit Fitness und Trends zu tun hat,
bin ich absolut treu geblieben. Spätestens seit meiner Yogalehrerausbildung war mir dann klar, dass ich irgendwann ein eigenes kleines Studio möchte. Einen space, in dem ich meine Idee von Yoga ohne Leistungsdruck und einer heilsamen Spiritualität leben und teilen kann. Das Label Lovely Spirit kam irgendwie spontan und intuitiv.

Achtsamkeit und Spiritualität im Yogastudio lernen

Du bietest in deinem Yoga Studio Achtsamkeit und Spiritualität an. Kannst du
uns dazu ein bisschen mehr erzählen? Was genau ist das?

Ja. Yoga und Achtsamkeit sind eins. Und ja. Mein Unterricht geht weit über den
körperlichen Aspekt von Yoga hinaus. Je älter ich werde, desto mehr rückt
dieser Bestandteil des Yoga tatsächlich in den Hintergrund. Nicht, weil ich keine
Asanas mehr hinkriege, sondern eher, weil ich immer deutlicher spüre, dass
es darum eigentlich gar nicht geht.

Ich halte es da wirklich mit Krishnamacharya, in dessen Tradition ich
ausgebildet bin und mit meinem Lehrer Mark Whitwell: „It ́s a seamless
process“. Aus Asana wird Pranayama, aus Pranayama wird Meditation.
Sadhana. Das ist das, wo wir hinwollen und das ist auch mein Weg. Wenn wir
achtsam Yoga üben und offen sind für diesen Prozess, dann entsteht ein
meditativer Zustand ganz von selbst.

Achtsamkeit und Spiritualität online lernen

Und das ist (wie ich hoffe!) das, was ich vermittle. In meinen offenen Klassen,
in meinem digitalen Yogastudio (dem CIRCLE OF LOVELY SPIRITS) und in
meinen Workshops.

Ich bemerke in meinem Bekanntenkreis oft die Erfahrung, dass diese nicht an
Spiritualität glauben. Wie gehst du mit solchen Menschen um, wenn diese keinen
Zugang zur Spiritualität haben?

Erstmal: das ist vollkommen okay! Meine Herangehensweise an Spiritualität ist
sehr bodenständig und alltagsnah. Ich glaube, dass sich auch Menschen bei mir
wohl fühlen, die von sich behaupten, keine spirituellen Wesen zu sein. (by the
way: jeder Mensch hat einen Spirit, deshalb sind wir alle spirituelle Wesen, da
ist kein Zauber dabei!).

Ich möchte eine undogmatische und alltagstaugliche Spiritualität vermitteln. Das ist der Schwerpunkt meiner Arbeit. Und ganz ehrlich: meine eigene spirituelle Praxis sieht oft so aus, dass ich morgens um halb sieben auf unserem Wäschekorb im Bad hocke und eine Minute Feueratem mache, um wach zu werden. Oder ich lege mich abends 5 Minuten auf mein Bolster in Supta baddha konasana. That ́s it. Es muss in unser reales Leben passen, um zu tragen.

Spiritualität ist nichts, was wir uns vornehmen, zu tun. Wir brauchen kein Equipment und eigentlich auch nicht viel Zeit. Meine spirituelle Praxis fließt in jeden Bereich meines Lebens. Das ist mein Wunsch für uns alle: ein spirituelles Fundament, das wir beim Kochen, Zähneputzen und Kind-ins-Bett-bringen spüren.

Was ist Achtsamkeit und Spiritualität?

Viele wissen gar nicht, was Achtsamkeit bedeutet. Wie erklärst du deinen Yoginis was Achtsamkeit ist?

Der einfachste und nahbarste Zugang zur Idee der Achtsamkeit ist immer der
Körper. Der Körper bringt uns direkt und unmittelbar in den jetzigen
Augenblick, weil er total real ist. Dein Körper ist immer da, während sich dein
Geist ständig auf den Weg irgendwohin machen kann (und das tut er ja meistens
auch!).

Das ist Achtsamkeit: die Realität des Moments wahrnehmen. So wie es gerade ist.

Leider wird der Begriff Achtsamkeit mittlerweile so inflationär und Mainstream benutzt, dass er in der Yogaszene nahezu keine Bedeutung mehr hat, weil Achtsamkeit als Lifestyle transportiert wird.

Wie kann ich Achtsamkeit lernen?

Aber zurück zu meiner Herangehensweise: wenn wir Achtsamkeit lernen
wollen, beginnen wir also immer damit, den Körper zu spüren. Die Arbeit mit
dem Körpersinn ist für mich die absolute Grundlage jeder spirituellen Praxis und
kann unglaublich heilsam sein. Yoga (Asana) ist eine wunderbare Brücke zum
Körper und somit zur Achtsamkeit. Das braucht aber Raum.

Meine Erfahrung ist, dass wir die besten und achtsamsten Momente in der Yogapraxis verpassen, wenn wir schnell durch Asanas hudeln. In meinem Unterricht lassen wir uns viel Zeit, um zu spüren.

Achtsamkeit durch Atmen lernen

Das zweite (beste) Instrument, um Achtsamkeit zu praktizieren ist der Atem. Auch der Atem ist immer bei dir, aber ein bisschen flüchtiger und nicht ganz so easy mit unserer Aufmerksamkeit zu halten.

Achtsamkeit ist einerseits ein sehr simples Konzept: BEMERKEN WAS IST.

Und genau das ist für viele (auch für mich, jeden Tag aufs Neue) die größte Challenge überhaupt.

Viele Menschen gehen nicht mit Leichtigkeit durch das Leben. Gerade jetzt zu
Corona Zeiten haben viele Menschen Ängste. Was gibst du deinen Yoginis für Tipps?

Same here! Ich glaube, wichtig ist, dass wir niemandem vorgaukeln, dass uns all
diese Krisen nicht genauso fertig machen und wir als spirituell Lehrende darüber
erhaben sind. Corona war und ist heftig, auch für mich. Und wir sind mittlerweile mit so vielen anderen krassen Krisen konfrontiert, dass wir kaum noch zur Ruhe kommen. Ich bin definitiv kein Fan von „Good Vibes Only“ und davon, sich die Wirklichkeit schön zu basteln.

Die Aufgabe ist immer, die Realität des Lebens wahrzunehmen. Das Leben zu spüren, wie es ist, und einen Weg zu finden, damit umzugehen. Mein Tipp ist also: nimm deine Ängste wahr und gib ihnen Raum. Verbinde dich immer wieder mit dir selbst. Weiche nicht aus. Nur im achtsamen Wahrnehmen der Realität können Gefühle weicher
werden und transformieren. In meinem Unterricht versuche ich, einen Raum zu
schaffen, in dem all das sein darf und die Menschen fühlen, dass sie nicht alleine
sind in diesem Wahnsinn.

Workshop für Achtsamkeit und Spiritualität

Wie genau sehen deine Workshops aus? Was bietest du den Menschen dort und was genau sind deine Zielgruppen in diesen Workshops?

Ja, neben meinen offenen Klassen im Studio und meinem digitalen Raum gibt es
mindestens einmal monatlich Workshops und zusätzlich seit kurzem offene
Meditationsabende.

Meine Workshops beinhalten meistens Themen, die ich in mir und meiner
Community wahrnehme. Meistens haben sie einen Bezug jenseits von reinem
Asana-Yoga. Das tolle bei Workshops ist, dass wir viel Zeit haben und ich die
Gruppe wirklich ganz basisch heranführen kann an Themen, die uns in den
„normalen“ Klassen oft zu sperrig und groß erscheinen.

Meine Workshops haben viel mit Meditation zu tun und gehen immer in die Tiefe. Dennoch bleibe ich dabei nah an der schon oft erwähnten Realität des Lebens. Ich möchte, dass die Menschen aus meinen Workshops rausgehen und die Essenz mit in ihren Alltag nehmen und sagen können: „Yes, damit kann ich arbeiten!“.

Vor kurzem hatten wir zwei Wochenenden zum Thema Meditation & Schreiben. Das war für uns alle eine sehr intensive und schöne Erfahrung. Das Aufschreiben der unmittelbaren Meditationserfahrung, damit Experimentieren und Reflektieren ist unglaublich hilfreich und vertieft die spirituelle Praxis ungemein.

Meine Zielgruppe sind eigentlich alle Menschen, die neugierig sind auf Spiritualität, Yoga und Meditation. Es gibt manche Formate, die ich ausschließlich für Frauen anbiete. Einfach weil meine Erfahrung ist, dass Frauen eine andere Lebensrealität haben als Männer und sich über manche Themen zwangloser austauschen können, wenn sie „unter sich“ sind. Ansonsten darf und soll wirklich jeder kommen. Auch sehr gerne Leute, die sich selbst nicht spirituell finden und bisher noch nicht warm werden konnten mit Yoga und Meditation. Join us!

Was wünschst du dir für die Zukunft für Lovely Spirit?

Ich wünsche mir eine bunte, lebendige (und ja, gerne auch mehr florierende) Oase für Menschen, die sich – so wie ich – eine untoxische und vollkommen freie Spiritualität jenseits von Lifestyle, not fancy, not hipster, wünschen. Ein Ort zum Wohlfühlen. Ein Ort, an dem du wirklich so sein darfst wie du bist. Und das ist Lovely Spirit ja Gott sei Dank schon.

Wenn du drei Wünsche frei hast, was wäre das?

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  1. Dass mein Sohn ein glücklicher, starker und freier Mensch bleibt.
  2. Dass die Menschen fancy Mainstream-Yoga kritischer hinterfragen und sich wieder mehr für echtes Yoga interessieren (dieser Prozess hat aber Gott sei dank schon begonnen!)
  3. Solidarität und soziale Gerechtigkeit. Frieden.

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