Ayurveda – Die Medizin der Natur

Ayurveda – Die Medizin der Natur

Ayurveda ist ein Gesundheitssystem der natürlichen Heilung, das, meiner Meinung nach,  jeder Yoga- und Gesundheitsinteressierte kennen sollte. Ayurveda, das seinen Ursprung in der vedischen Tradition Indiens hat, bedeutet so viel wie das Wissen über das Leben. (Ayur = Leben, Veda = Wissen, Kenntnis).


Gastbeitrag von Ralf Schultz, Soma Yoga Studio

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Es ist das vielleicht älteste ganzheitliche Heilungssystem und die besterprobte „Naturmedizin“ der Erde, dessen Wurzeln vermutlich über 5000 Jahre alt sind.
Dabei ist Ayurveda weit mehr als Kräuter, Gewürze und Wellnessmassagen. Ayurveda kann uns einen Weg aufzeigen, wie wir ein erfülltes Leben führen und Wohlbefinden und Harmonie in Bezug auf den Körper aber auch auf den Geist und die Seele erfahren können. Der Mensch wird in seiner Gesamtheit betrachtet und so deckt Ayurveda alle Aspekte unseres Lebens ab: den physischen, psychischen und spirituellen und hält individuelle Empfehlungen bezüglich Ernährung, Sport, Lebensstil und spiritueller Praxis bereit.

Das ist vielleicht eine der größten Stärken des Ayurveda:
Es zeigt uns, wie wir ein gesundes und langes Leben führen können, und gibt uns die passenden Präventionsmaßnahmen dafür.
Aber auch bei vielen chronischen Erkrankungen wie Rheuma, Asthma, Bluthochdruck, Arthrose oder entzündlichen Gelenk- und Darmerkrankungen, zeigen ayurvedische Behandlungen erstaunliche Erfolge und immer mehr Ärzte und Kliniken nutzen ayurvedische Therapien komplementär zur Schulmedizin.

Die 5 Elemente und die Doshas im Ayurveda

Im Wechselspiel bilden die fünf Elemente in unserem physischen Körper die drei Haupt-energien (Doshas genannt):

Vata (Luft + Äther)
Pitta (Feuer + Wasser)
Kapha (Wasser+ Erde)

Diese Energien zeigen sich im Individuum als verschiedene Konstitutionstypen. Jeder hat seine ganz individuelle Zusammensetzung dieser Bioenergien. Der eine ist mehr „luftig“, der
andere hat mehr Feuer, wieder andere tragen mehr Erdenergie in sich. Jeder Mensch ist somit in der Lage, bezogen auf Ernährung, Sport und Lebensstil, ganz eigenen Empfehlungen zu folgen. Kennen und erforschen wir die individuelle Zusammensetzung dieser Energien in unserem Körper und Geist, können wir durch passende Maßnahmen unser ganzes Potenzial entfalten.

Falls diese Doshas sehr aus dem Gleichgewicht geraten haben sie das Potenzial Krankheiten zu verursachen:

Vata verursacht Trockenheit, Steifheit, Osteoporose, Nervöse Störungen, Angst,  Abgehobensein.
Pitta verursacht Infektionen, Entzündungen, Hitze, Fieber, Ärger und Ungeduld.
Kapha verursacht Verstopfung, Übergewicht, Lethargie und Anhaftung.

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Ernährung im Ayurveda

Die Ernährung ist dabei eines der wichtigsten Faktoren, weil nach der 5-Elemente-Lehre unser Körper und Geist durch die Nahrung aufgebaut, erhalten und energetisiert wird. Bestimmte Nahrungsmittel sind unterstützend und gut für unsere Konstitution wieder andere nicht.so sehr. Eine grundlegende Empfehlung ist, dass die Nahrung so frisch und natürlich wie möglich sein sollte, möglichst vegetarisch und möglichst selbst gekocht – mit Liebe 😉 Gekochte Nahrung ist für die meisten Konstitutionen geeigneter als Rohkost, weil das Verdauungsfeuer dadurch besser arbeiten kann.  
Ein wichtiges Prinzip des Ayurveda ist es dabei, immer nach Ort, Zeit und Individualität vorzugehen, d.h. zum Beispiel, man nimmt vorzugsweise einheimische Kräuter und Nahrungsmittel, weil sie vor Ort frisch erhältlich sind und energiereicher und „passender“ für den Menschen hier bei uns sind.

Ayurveda und Massagen

Eine besondere Behandlungsform im Ayurveda sind die Massagen mit verschiedenen Ölpräparaten. Wir leben in einer Zeit mit oft starker Belastung durch Beruf, Familie und täglichen Pflichten. Ayurvedische Massagen sind besonders gut zum Stressausgleich. Sie wirken verjüngend, zellerneuernd und vitalisierend. Sie stärken das Immunsystems und unterstützen das allgemeine Wohlbefinden von Körper und Geist und verbinden uns wieder mit innerer Fülle, Harmonie und Schönheit. Die entspannenden und gleichzeitig Energie spendenden Behandlungen sind äußerst wohltuend und werden klassisch als Schönheits- und Verjüngungstherapie eingesetzt. Stress reduzierend, aufbauend und einfach selbst durchzuführen ist eine Selbstmassage mit warmem Sesamöl. Dazu das Öl auf einem Stövchen leicht erhitzen und mit kreisenden und streichenden Bewegungen das Öl in den Körper einmassieren. Idealerweise 20 Minuten warten und dann abduschen. Nur wenig oder gar kein Duschgel verwenden, damit ein leichter Ölfilm auf der Haut verbleibt.
Sehr gut bei Erschöpfung und bevor man ins Bett geht.

Ayurveda und Yoga

Ein anderes praktisches Beispiel für den Nutzen des Wissens um die eigene Konstitution ist die Yoga Praxis. Auch sie sollte in Harmonie mit unserer Konstitution sein. Jeder ist einzigartig und steht an unterschiedlichen Punkten im Leben. Das sollte sich auch in der Yoga- bzw. Asanapraxis wieder spiegeln. Es macht in diesem Zusammenhang folglich keinen Sinn, wenn ein Pitta Konstitutionstyp -eine Person, die viel Feuer in sich hat – stark dynamisch und erhitzend Asanas übt, weil dadurch das vorherrschende Dosha noch mehr stimuliert und das innere Ungleichgewicht erhalten bleibt oder sogar größer wird. Bei erhöhtem Kapha-Dosha wäre eine aktivierende, erwärmende Stunde besser als eine entspannte Yin Yoga Stunde und viel Vata braucht eine stabilisierende, erdende und sanfte Praxis, um den hohen Luftanteil auszugleichen. Das ist stark vereinfacht, weil auch immer andere Faktoren wie Alter, Energielevel, physische und psychische Verfassung, allgemeine Lebensumstände, das Klima, die Jahreszeit etc. eine Rolle spielen. Trotzdem kann diese Einteilung uns wichtige Anhaltspunkte zur Weiterentwicklung und Harmonisierung der eigenen Praxis liefern.

Erste Schritte mit Ayurveda

Der erste Schritt ist daher immer, die eigene Konstitution zu bestimmen, damit auf dessen Grundlage die richtige Praxis ausgearbeitet werden kann. Das geschieht am Besten in Einzelarbeit mit persönlicher Begleitung eines erfahrenen Yoga- und Ayurveda-Therapeuten. Gruppenkurse sind hierfür weniger geeignet, weil hier nur der größte gemeinsame Nenner angesprochen werden kann, während Einzelarbeit Spezialisierung und das Eingehen auf individuelle Faktoren erlaubt.

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Lifestyle und Psychologie

Ein großer Teil der Krankheiten und Beschwerden in unserer modernen Welt sind psychischer und psychosomatischer Natur, was sich in einem ungesunden Lebensstil, negativen und destruktiven Gedankenmustern und unverarbeiteten Emotionen ausdrückt. Ayurveda hält einen Schatz an altem Wissen und Erfahrungen bereit die auf einer tiefgründigen, ganzheitlichen Psychologie und Spiritualität beruhen, die neue Impulse für Harmonie, Heilung und Zufriedenheit geben können. 
Tatsächlich sieht Ayurveda die Ursachen für Gesundheit oder Krankheit generell vor allem in unserem täglichen Verhalten und Lebensstil begründet.
2 Faktoren werden als entscheidend erachtet:

1. Die Sinne:

Der falsche Gebrauch der Sinne ist einer der wichtigsten Faktoren für den Krankheitsprozess. Die Sinne sind die eigentliche Verbindung zur Außenwelt. In unserer modernen Welt sind die Sinne zunehmend überstimuliert und können das Aufgenommene nicht mehr adäquat verarbeiten. Durch die Massenmedien, zu laute Musik und Lärm, qualitativ minderwertige Nahrung und zu wenig Bewegung kommen die Doshas leicht aus der Balance. Ein einfacher Tipp: 2-3 Stunden vor dem Schlafen gehen kein Fernsehen, Computerarbeit oder gewaltvoller Lesestoff. Das kann schon Wunder wirken. Eine erste Empfehlung ist daher zuerst die Quantität der Sinneseindrücke zu senken um dann qualitativ bessere aufzunehmen. Qualitativ bessere sind vor allem Eindrücke aus der Natur. Urlaub in der Natur , Wandern oder längere Spaziergänge sind ein guter Anfang.

2. Der Geist:

Der zweite wichtige Faktor ist der falsche Gebrauch des Geistes und des Willens. Der Geist schließt im Ayurvedischen Verständnis auch die Emotionen mit ein. Negative und destruktive Gedankenmuster die Teil unserer Psyche geworden sind erschaffen exzessive Suchtstrukturen und erzeugen Leid für uns und andere.
Die Klärung dessen und die Kultivierung von Geisteskraft und innerer Stille ist ein sehr wichtiger Punkt, wo das Ayurveda auf das traditionelle Yoga zurückgreift mit seiner Betonung von Meditation, Selbsterkenntnis und innerer Freiheit. Schlussendlich kann man sich fragen: Haben die Emotionen und Gedanken mich im Griff oder kann ich die Bewegungen meiner Psyche innerhalb eines größeren Gewahrseins beobachten? Wahre Zufriedenheit, Kreativität und Freiheit ist nur möglich, wenn ich die Quelle dessen in mir selbst entdecke und nicht in äußeren Faktoren vermute. Hierbei ist die Etablierung einer täglichen Meditationspraxis wichtig, die – nach und nach –  das zurückkehren in die Stille des eigenen Seins erlaubt.

Ralf Schultz

ist Gründer und Leiter von Soma Yoga Freiburg, praktiziert Yoga seit fast 20 Jahren und unterrichtet seit 15 Jahren. Er lernte Yoga und Ayurveda in Indien kennen, wo er mehrere Jahre verschiedene Yoga- und auch buddhistische Traditionen studierte. 
Im Laufe der Zeit machte er Erfahrungen mit fast allen „modernen“ Yogarichtungen.  Gleichzeitig integriert er in seine Arbeit die größere ältere Tradition des Yoga, von Raja Yoga, Tantra und Vedanta über Ayurveda bis hin zu schamanischen Ursprüngen. 
Die Vertiefung des Ayurveda erfolgte vor allem durch die direkte Zusammenarbeit und Supervision mit Vamadeva David Frawley und Yogini Shambhavi, auf dessen internationalen Retreats er über mehrere Jahre die Yogastunden nach ayurvedischen Prinzipien leitete. Außerdem war er Leiter der ersten Yoga- und Ayurveda Therapie Ausbildung 2013 nach Dr. Frawley und Betreuer für dessen Yoga und Ayurveda Fernkurs.

Im Soma Yoga Studio leitet er seit mehreren Jahren Yoga und Ayurveda AusbildungenAusbildungen, Retreats, Immersions und Workshops. Einen guten Einstieg in die praktischen Anwendung des Ayurveda bietet sich in der Ende September startenden „Selbstheilung und ayurvedische  Massage Ausbildung“  http://somayoga-freiburg.de/ayurveda-ausbildung/

Vielen Dank, Ralf für deinen interessanten Beitrag
Namaste
Yogablog Ganzwunderbar

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