Close
Die sechs Geschmacksrichtungen im Ayurveda

Die sechs Geschmacksrichtungen im Ayurveda

Anzeige (Aufgrund von Namensnennung und Verlinkung), Photo by Calum Lewis on Unsplash
Gastartikel von Autorin Dr. Claudia Nichterl, Ernährungswissenschafterin, TCM Expertin, Autorin, Dozentin

Ein Artikel über die 6 Geschmacksrichtungen im Ayurveda und wie diese uns bei der Ernährung helfen können, uns gesund und fit zu fühlen.

Was den einen nährt, macht den anderen krank.

Wie individuelle Ernährung Vitalität und Wohlbefinden fördert und warum „altes“ Wissen aus Fernost im modernen Leben wichtig ist. Fast täglich gibt es einen neuen Ernährungstrend im Internet, ob Paleo, low carb, ketogen, Rohkost oder vegan. Wer soll sich da noch auskennen? Immer mehr Menschen sind im „Ernährungsdschungel“ verloren und ratlos, vor allem dann, wenn es einem „im Bauch“ nicht so gut geht. Müdigkeit, Verdauungsstörungen, Allergien, Unverträglichkeiten, Auto-Immunkrankheiten – fast bekommt man den Eindruck, dass Ernährung krank macht. Dabei wäre es so einfach, wenn wir uns an alt bekannten Grundlagen orientieren. Ob Ayurveda, TCM (Traditionell Chinesische Medizin) oder – seit kurzem auch im Kommen – die TEM (Traditionell Europäische Medizin), das sind jahrtausende alte Traditionen mit viel Weisheit und Wissen um unseren Körper und Gesundheit.

Ayurveda ist ein Begriff aus der alten indischen Sprache Sanskrit. „Ayur“ heißt Leben und „Veda“ bedeutet Wissen. Ayurveda ist also das Wissen vom langen und gesunden Leben.

Die älteste Naturheilkunde der Welt hat auf Sri Lanka ihre Wurzeln, doch hat sie schon vor Jahren auch in der westlichen Welt ihren Siegeszug angetreten. Ebenso gut etabliert hat sich die TCM mit ihrer speziellen Diätetik, Akupunktur und Kräuterheilkunde. Ähnlich wie im Ayurveda haben bewusste Atmung und Körperübungen (Tai Chi, Qi Gong) eine lange Tradition. Beiden Lehren gemeinsam ist der individuelle Zugang zur Ernährung. Die Grundlage bildet die Lehre von den fünf Elementen – im Ayurveda heißen sie Äther (Raum), Luft, Feuer, Wasser und Erde und in der TCM spricht man von den 5 Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

Die drei Doshas im Ayurveda

Im Ayurveda setzen sich die fünf Elemente zu den drei Doshas (Vata, Pitta, Kapha) zusammen. Die drei Doshas bestimmen unsere körperlichen und geistigen Funktionen, sie sind uns angeboren und jedes Dosha hat seine eigene Aufgabe. Nur wenn die drei Doshas ausgeglichen und in Harmonie sind, ist der Körper gesund. Diese verändern sich je nach Tages- und Jahreszeit und Lebensalter. In der TCM wird der energetische Zustand eines Organismus durch Begriffe wie Qi, Yin oder Yang beschrieben. Qi – die Lebenskraft – lässt sich am ehesten mit unserer modernen Vorstellung von Energie verbinden. Qi hält das Universum in Bewegung und fließt durch unseren Körper. Gesundheitliche Störungen basieren auf Ungleichgewichten wie zB. Yin- oder Yang-Mangel.

Anzeige

Ernährungs- und Therapieempfehlungen haben zum Ziel, ein Gleichgewicht zu fördern. Individuelle Ernährung – typgerecht zum Wohlbefinden. Sowohl TCM als auch Ayurveda sehen jeden Menschen als einzigartiges Individuum, welches sich außerdem in einem stetigen Wandlungsprozess befindet. Was dem einen Menschen zuträglich ist, kann dem anderen Bauchschmerzen bereiten. Was einem im Frühling gut bekommt, kann zu einer anderen Jahreszeit weniger bekömmlich sein. Die gesunde Ernährung unterliegt somit einem stetigen Anpassungsprozess und sollte im Dienste unseres energetischen Gleichgewichts stehen.

Die sechs Geschmacksrichtungen im Ayurveda

Im Ayurveda werden sechs Geschmacksrichtungen (Rasa) – süß, salzig, sauer, scharf, bitter und herb/zusammenziehend (astringierend) – unterschieden. Die TCM teilt Lebensmittel nach ihrer thermischen Qualität in heiß, warm, neutral, erfrischend und kalte Zutaten und nutzt ebenfalls die Geschmacks- und Wirkrichtung für therapeutische Empfehlungen (süß, sauer, bitter, salzig und scharf). Idealerweise wird die tägliche Speisenauswahl individuell an konstitutionelle, gesundheitliche und bioklimatische Bedingungen angepasst. Vereinfacht gesagt bedeutet das, ein Körper, der häufig friert wird durch wärmende Speisen aufgewärmt. Jemandem mit Bluthochdruck, Übergewicht und Hitzezeichen im Körper (z.B. Allergien, Entzündungen) tun erfrischend, kühlende Lebensmittel gut. Generell macht es Sinn, im Sommer mehr erfrischende und kühlende Lebensmittel und im Winter wärmende, nährende Zutaten auszuwählen.

Der süße Geschmack im Ayurveda und TCM

Süß ist aufbauend, nährend und besänftigend, dh. er gibt Kraft und Zufriedenheit. Er erhöht Kapha und beruhigt Vata und Pitta. Die süße Geschmacksrichtung findet sich in Getreide, Teigwaren, Brot, Reis, Kartoffeln, Sahne, Butter, Zwiebeln, süßes Obst, Süßspeisen, uvm.

Der salzige Geschmack im Ayurveda

Salz sollten Sie vorsichtig verwenden. Es macht durstig und ist versteckt in vielen Nahrungsmitteln enthalten. Der salzige Geschmack verstärkt Pitta und Kapha, reduziert Vata. Er steckt in allen Salzarten, Meeresfrüchten und Algen.

Der saure Geschmack im Ayurveda

Er regt den Appetit und die Verdauung an, verstärkt Pitta und Kapha und reduziert Vata. Der saure Geschmack ist in Zitrusfrüchte, Essig, saures Obst, Sauerkraut, Tomaten und Joghurt enthalten.

Der scharfe Geschmack im Ayurveda

Scharf regt die Verdauung an. Er verstärkt Pitta und Vata und reduziert Kapha. Gewürze, wie Chili, Pfeffer, Ingwer, Curry, Kresse, Knoblauch, tragen den scharfen Geschmack in sich.

Der bittere Geschmack im Ayurveda und TCM

Er regt Galle und Leber an und hilft bei der Entgiftung. Viele Salate und Gemüsesorten, wie Endivie, Radicchio, Rucola, Artischocken, Chicorée, enthalten den bitteren Geschmack. Er verstärkt Vata und reduziert Pitta und Kapha.

Der herbe Geschmack im Ayurveda und TCM

Dieser wirkt trocknend. Er findet sich in Gewürzen, Kräutern, Hülsenfrüchten, Beerensorten, Äpfeln, Spinat, Kohl, Brokkoli, Melanzani uvm. Er erhöht Vata und beruhigt Pitta und Kapha.

Agni – das Verdauungsfeuer im Ayurveda

Egal ob Ayurveda oder TCM – die Basis vollkommener Gesundheit ist ein gesunder und aktiver Stoffwechsel. Die TCM spricht von „starker Mitte“ (Milz-Qi) und im Ayurveda ist ein intaktes Verdauungsfeuer (Jatharagni) dafür die Grundlage. Durch die heute vorherrschende hektische Zeit und unregelmäßige Lebensweise ist das Verdauungsfeuer oft mals gestört. Die Folge davon: Nahrung wird nur unvollständig verdaut, so bilden sich Schlacken (Ama) oder nach TCM Feuchtigkeit, die den Energiefluss (Prana oder Qi) im Körper stören. Die Folge sind gesundheitliche Beschwerden wie häufige Erkältungskrankheiten, Müdigkeit, Übergewicht uvm. sein.

Schwaches Agni im Ayurveda

Liegt ein schwaches Agni vor, so zeigt sich das in häufig auftretenden Blähungen, Aufstoßen, langsamer Verdauung, Ermüdung und schweres Erwachen. Hier helfen scharfe und bittere Gewürze, das Einhalten fester Essenszeiten und eine Nahrungskarenz von vier bis sechs Stunden, bis die vorherige Mahlzeit verdaut ist.

Zu starkes Agni im Ayurveda

Ein zu starkes Agni äußert sich durch heftiges Aufstoßen, starkes Schwitzen, Hautausschläge und Heißhunger. Es empfehlen sich bekömmlich kühlend/erfrischende Speisen mit viel gekochtem oder gedämpften Gemüse, kleine Mengen Milchprodukte und bitter Blattsalate. Saure und scharfe Speisen sind zu vermeiden.

Unregelmäßiges Agni im Ayurveda

Ein unregelmäßiges Agni zeigt sich durch einen Wechsel zwischen Appetitlosigkeit und Heißhungerattacken. Es sollten regelmäßige Essenszeiten eingehalten werden, das Essen soll warm und nicht zu stark gewürzt sein. Rohkost ist zu vermeiden. Das Agni kann gestört werden durch zu viel und zu häufiges Essen, eiweißreiches Essen am Abend, unregelmäßige Essenszeiten, Ablenkungen beim Essen, Stress, Wut, Trauer und das Klima.

Gesundes Agni im Ayurveda

Bei einem gesunden Agni haben wir zwei bis dreimal täglich Hunger und eine regelmäßige Verdauung. „Gesunde Ernährung“ sollte zusätzlich dem persönlichen Gusto und den familiären und regionalen Gewohnheiten entsprechen. Genuss ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass das Essen überhaupt gut bekommt. Für einen gesunden Erwachsenen empfiehlt sich eine leichte, neutrale Ernährung, die aus gekochtem Getreide, reichlich Gemüse, etwas Obst, wenig tierischem Eiweiß und Fett besteht. Ergänzt wird diese Basis durch frische Blattsalate, Sprossen, Gewürze und viel frische Kräuter. In Anlehnung auf die zyklischen Bewegungen der Natur und des Menschen sind auch die „Rahmenbedingungen“, unter denen wir essen, wichtig. So sollten wir uns ausreichend Zeit für das Essen nehmen, gründlich kauen, nicht im Stehen oder Gehen essen und auch keine schwierigen, problematischen Gespräche während des Essens führen.

Ayurvedisches Rezept für 4 Personen

„Nektar der GöttInnen“-Reis für 4 Personen

  • 1 Karotte
  • 1 TL Ghee
  • 4 Nelken
  • 6 Kardamomkapseln
  • 1 Zimtstange
  • 2 Tassen Basmati-Reis
  • 5 Safranfäden
  • ¼ TL Kurkuma
  • Salz
  • 40 g Cashewnüsse (oder Walnüsse)
  • 25 g Rosinen

Karotte waschen und in kleine Würfel schneiden. Ghee in einem Topf erhitzen und darin Nelken, Kardamomkapseln und Zimtstange, sowie Karotten anschwitzen. Reis zugeben und mit 5 Tassen Wasser aufgießen. Safran, Kurkuma und Salz zugeben, umrühren und 10 Minuten zugedeckt köcheln lassen. Dann Nüsse und Rosinen zugeben und nochmals 5-10 Minuten fertig kochen.

Info: Das Reisgericht „Nektar der GöttInnen“ ist hervorragend zur Stärkung des körperlichen und emotionalen Gleichgewichts. Die süßen, nährenden, wärmenden und aromatischen Zutaten sind echte „Rasayanas“, die dem Körper viel Lebensenergie schenken.

Du möchtest mehr von Claudia Nichterl erfahren. Dann schau doch gerne einmal auf Ihrer Webseite vorbei.

Vielen lieben dank für deinen Artikel!
Namasté

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Close