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Interview mit 7 Yogalehrerinnen – 2 Fragen an alle

Interview mit 7 Yogalehrerinnen – 2 Fragen an alle

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Ich habe sieben verschiedene Yogalehrerinnen zu einem kurzen Interview gebeten und ihnen alle die selben zwei Fragen gestellt. Jede Yogalehrerin baut ihre Yogastunde anders auf. Ob mit Kerzen und Musik oder ganz leise, um in der Stille die nötige Entspannung zu finden. Manche beginnen ihre Yogastunde mit einer Einführung oder einem Thema. Egal wie die Yogastunde aufgebaut wird, das Ziel ist es, seine Yogis am Ende glücklich zu sehen.


1. Yogalehrerin Tamara Geissbühler von www.entspann-bar.com 


Wie sieht bei dir die perfekte Yogastunde aus? Verwendest du Musik oder Duftkerzen? Gibst du deiner Yogastunde vorab ein Thema, über das du einen Einstieg findest?

….muss die Lektion perfekt sein?…  Meine Yogastunden sind nicht auf dem Gedanken des Perfektionismus aufgebaut, mir ist Authentizität wichtiger!! Meine Lektionen sind geplant, haben auch immer ein Thema (körperlich, philosophisch, Peak-Pose, Asana-Gruppe oder auch direkt aus dem Leben gegriffen) bzw. einen Fokus, bin aber jederzeit flexibel und passe die Stunde der Energie und der Erfahrung der Teilnehmer an. Musik: teils am Anfang und am Ende, teils während der ganzen Lektion, manchmal ausschliesslich Stille. Duftkerzen: habe ich bis danhin nie gebraucht, teils Räucherstäbchen oder dann verneble ich ätherische Öle

Wieso glaubst du, machen in Deutschland nur 5 Millionen Menschen Yoga. Glaubst du auch, dass viele Leute zu früh aufgeben und vielleicht nicht auf ihr Inneres während der Yogastunde schauen wollen?

Ich kann mir vorstellen, dass es einfach nach wie vor viele Menschen gibt, welche nicht nach Innen schauen wollen. Es lebt sich ja gut im Aussen… Eine Angst evtl. Höre auch viel: „Ach Yoga, im Schneidersitz sitzen und bisschen atmen..ne, nix für mich” oder: „Ach Yoga, dafür bin ich viel zu unbeweglich”. Dass man nicht nur sitzt und atmet, dass man sich bewegt und auch mal schwitzt, dass jeder Körper von Mal zu Mal beweglicher wird, wird nicht bedacht. Yoga ist nicht gleich Yoga. Ich bin sicher, es gibt für jeden Menschen das “richtige” Yoga, für den einen sind es dynamische Vinyasa-Sessions, für andere Kundalini Yoga mit viel chanten und wieder für andere ist es eine ruhige Yinstunde mit viel Meditation und Pranayama. So unterschiedlich wie jeder Mensch ist, so unterschiedlich sind die Bedürfnisse. Und oft tut es den Menschen sehr gut, wenn sie mal bei einer ihnen entgegengesetzten Yogaart reinschnuppern 😉  Eine Yogalektion kann aufwühlend und lösend sein, kann Prozesse in Gang setzen, die Sichtweise auf das Leben verändern und ich denke, dass es nach wie vor Menschen gibt die das scheuen… 


2. Andrea König von www.yoga-lavida.com, Yogalehrerin (200 h AYA) und wohnhaft auf Mallorca. Außerdem betreibt sie einen Online Shop für hochwertige und nachhaltige Yoga-Artikel. Mit dem Rabatt Coupon bekommst du 5 Euro Rabatt.

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Wie sieht bei dir die perfekte Yogastunde aus? Verwendest du Musik oder Duftkerzen? Gibst du deiner Yogastunde vorab ein Thema, über das du einen Einstieg findest?

Ich unterrichte sehr oft Yoga im Freien, das bietet sich auf Mallorca an. Um ein angenehmes Setting zu gestalten, drapiere ich Blüten, Muscheln, Früchte oder bunte Tücher als Fokus im Zentrum. Abends kommen Kerzen dazu. Vorab überlege ich mir ein Thema für die Stunde, z.B. Akzeptanz und baue die Meditation und die Asana-Sequenz darauf abgestimmt auf. Mal lese ich eine kurze Geschichte vor, mal spiele ich ein passendes Mantra ab. In Savasana decke ich die Teilnehmer zu und schenke ihnen eine liebevolle Berührung. Anschließend gibt es Tee für alle.

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Wieso glaubst du, machen in Deutschland nur 5 Millionen Menschen Yoga. Glaubst du auch, dass viele Leute zu früh aufgeben und vielleicht nicht auf ihr Inneres während der Yogastunde schauen wollen?

Zum einen glaube ich, dass manche Menschen sich nicht zutrauen, Yoga zu machen. Das vorherrschende Bild eines Yogis in den Medien ist ein schlanker, jugendlicher und extrem flexibler Mensch. Die meisten Menschen entsprechen diesem Bild aber nicht und denken, dass Yoga deshalb nicht für sie in Frage kommt. Zum anderen kann es gut sein, dass durch Yoga verborgene Emotionen an die Oberfläche kommen. Viele möchten beim Yoga einfach nur entspannen und nicht mit Unangenehmen konfrontiert werden. Außerdem ist die Verletzungsgefahr beim Yoga recht hoch, wenn man ohne erfahrenen Yogalehrer trainiert. Zerrungen oder Gelenkschmerzen durch nicht korrekt ausgeführte Asanas können Gründe sein, mit Yoga aufzuhören.


3. Yogalehrerin Tine Gabriel von www.naturheilpraxis-gabriel.de


Wie sieht bei dir die perfekte Yogastunde aus? Verwendest du Musik oder Duftkerzen? Gibst du deiner Yogastunde vorab ein Thema, über das du einen Einstieg findest?

Meine perfekte Yogastunde ist, wenn wir das Gefühl für Zeit völlig verlieren, alles in einem mühelosem Fluss ist und wir uns in unserem Inneren berührt werden. Mit “Wir” meine ich mich und auch die Teilnehmer – die Stimmung des Einzelnen wirkt sich immer auf alle aus. Vielleicht bringt uns die Folge der Übungen dorthin, vielleicht ist es Pranayama oder das Fokussieren auf Mudras, vielleicht eine berührende Musik oder der Duft von Paolo Santo. Ich entscheide mich immer sehr intuitiv und kurzfristig, wie meine Stunden werden. Ich habe immer ein Thema, einen Text, eine Geschichte oder Gedanken, die mich gerade erreichen oder beschäftigen und spreche dann darüber. Für mich ist es wichtig, einen tieferen Sinn zu transportieren und diesen selber auch zu fühlen. Am Ende jeder Yogastunde singen wir gemeinsam ein Mantra mit Musik – und Tönen OM. Das ist ein fixer Bestandteil.

Wieso glaubst du, machen in Deutschland nur 5 Millionen Menschen Yoga. Glaubst du auch, dass viele Leute zu früh aufgeben und vielleicht nicht auf ihr Inneres während der Yogastunde schauen wollen?

Ich empfinde den Trend zum Yoga als sehr stark wachsend und bin immer mehr überrascht, wieviele Menschen aus allen möglichen sozialen Schichten zum Yoga kommen. Ich selber habe sogar ein Projekt mit Langzeitarbeitslosen und Yoga & Achtsamkeit ins Leben gerufen. Und die Zahl der Einzelyogastungen ist auch steigend. Wir haben hier im Norden die höchste Yogalehrerdichte und trotzdem wirklich gut gehende und volle Yogastudios. Ich selber lebe lieber den yogischen Gedanken und mag gerne Yoga für Leute anbieten, die nicht soviel Geld haben – daher mache ich viel über die VHS.


4. Yogalehrerin Sylvia Zeller von http://kuenstleryogis.de/


Wie sieht bei dir die perfekte Yogastunde aus? Verwendest du Musik oder Duftkerzen? Gibst du deiner Yogastunde vorab ein Thema, über das du einen Einstieg findest?

Ich weiß nicht, ob eine Yogastunde „perfekt“ sein muss, aber ich habe am liebsten, wenn ich unterrichte:

  • ein Thema oder eine Intention  
  • viel Stille
  • ausreichend Zeit zum Nachspüren
  • Musik nur, wenn es zur gewünschten Energie der Stunde passt
  • Passendes Öl im Diffuser oder auch ein Öl als Dikscha
  • Tiefe anstatt komplizierte Übungen

Wieso glaubst du, machen in Deutschland nur 5 Millionen Menschen Yoga. Glaubst du auch, dass viele Leute zu früh aufgeben und vielleicht nicht auf ihr Inneres während der Yogastunde schauen wollen?

Manche trauen sich einfach nicht, weil sie falsche Vorstellungen haben oder denken, sie seien nicht beweglich genug und das sei ein Hindernis. Für andere ist es vielleicht nicht der passende Weg?


5. Yogalehrerin Alexandra Young von www.alexandrayoungyoga.com


Wie sieht bei dir die perfekte Yogastunde aus? Verwendest du Musik oder Duftkerzen? Gibst du deiner Yogastunde vorab ein Thema, über das du einen Einstieg findest?

Lass uns statt dem Wort „perfekt“ lieber „gelungen“ verwenden; wäre das in Ordnung? Das fühlt sich irgendwie stimmiger für mich an. Eine gelungene Yogastunde ist für mich eine, in der sich alle Teilnehmer jeden Levels mit all ihren individuellen Eigenschaften abgeholt fühlen, dass sie abschalten konnten, das Gefühl hatten sich selbst zu spüren, sich erlaubt haben loszulassen und komplett auf sich, den Bewegungsfluss sowie den Atem eingegangen sind und alles andere in den Hintergrund getreten ist. Oft lachen wir auch in meinen Stunden, denn ich möchte auch,dass die Teilnehmer Spaß an der Freude haben. Manchmal scheint die „schwierigste“ Asansa „lipasana“ zu sein (Mundwinkel heben ;-)). Oft runde ich die Stunde auch mit einer Meditation ab. Der Blick nach der Yogastunde in strahlende Gesichter ist das Allerschönste.

Musik verwende ich je nach Gefühl. Duftkerzen verwende ich keine, dafür jedoch ätherische Öleoder eine Creme mit Lavendelduft für die Endentspannung, in der ich die Teilnehmer je nach Gefühl an den Schultern ausrichte oder den Nacken massiere.

Themen für die Stunden habe ich fast immer, wobei ich manchmal spontan umentscheide bevor die Stunde beginnt. Das kann etwas gelesenes sein, ein Spruch oder ein Motto oder auch etwas was mich selbst beschäftigt.

Wieso glaubst du, machen in Deutschland nur 5 Millionen Menschen Yoga. Glaubst du auch, dass viele Leute zu früh aufgeben und vielleicht nicht auf ihr Inneres während der Yogastunde schauen wollen?

5 Millionen ist doch schon eine recht tolle Zahl und der Trend ist nach wie vor steigend. Es ist ein wunderbares Gefühlmit erleben zu dürfen, dass immer mehr Menschen Yoga und auch Meditation für sich entdecken. Beides sollten schon in den Kindergärten angeboten werden und definitiv in Schulen.

Sicher gibt es einige, die zu früh aufgeben. Ich glaube das liegt am Druck, den sich viele auferlegen auch durch social media. Dort werden doch primär fortgeschrittene Asanas gepostet wie Spagat, Handstand etc. und diese werden auch fleißig geliked. Ein Bild auf dem jemand meditiert bekommt selten viele likes. Wie hat K. Pattabhi Jois gesagt „Yoga is an internal practice. The rest is just a circus.“ Einige scheinen die Praxis überspringen zu wollen, die es bedarf. Es lässt sich mit dem Wandern vergleichen. Den Gipfel per Bergbahn zu erklimmen ist nicht das Gleiche wie den Weg selbst nach oben gehen, dabei ist der Weg doch die Möglichkeit einiges über sich selbst zu lernen, dem Inneren vielleicht eine Stimme zu geben, diese lauter werden zu lassen und reinzuspüren, ob Stimmigkeit zu fühlen ist.


6. Yogalehrerin Gina von https://die-yogabande.de/


Wie sieht bei dir die perfekte Yogastunde aus? Verwendest du Musik oder Duftkerzen? Gibst du deiner Yogastunde vorab ein Thema, über das du einen Einstieg findest?

Die perfekte Yogastunde für mich ist, wenn meine Erwachsenen-Schüler nach der Entspannung im Hot Yoga langsam zu sich kommen, sich aufrichten und wir dann nochmals gemeinsam atmen, sie die Augen öffnen. Und wenn ich dann das Leuchten in ihren Augen sehe, dann macht mich das unheimlich glücklich. Weil ich dann sehen und spüren kann, wie gut ihnen die Stunde getan hat.

Im Kinderyoga ist es ähnlich. Es ist wunderschön, zu sehen, wenn die Kinder wirklich zur Ruhe kommen. Wenn sie ganz entspannt daliegen, die Augen geschlossen haben und einfach mal – aus ihrer Sicht – nichts machen und bei sich sind. Wenn sie dann zu sich kommen, sich die Augen reiben und einer ruft: „Ich hab geschlafen, das war so schön…“ ist das für mich ein ganz besonderer Moment.

PS: Ja, wir machen bei der Yogabande auch eine bewusste Entspannung mit kleinem body scan/Meditation, ist nicht so üblich im Hot Yoga, für uns aber sehr wichtig!

Wieso glaubst du, machen in Deutschland nur 5 Millionen Menschen Yoga. Glaubst du auch, dass viele Leute zu früh aufgeben und vielleicht nicht auf ihr Inneres während der Yogastunde schauen wollen?

Zum Einen glaube ich dass es jeden Tag mehr Menschen werden, die Yoga machen und es sehr sehr viele gibt, die es gerne machen würden. Warum sie es nicht tun? Ich höre ganz oft „ich bin nicht gelenkig genug, ich kann das nicht.“ Dahinter steckt ein Stück weit die Leistungsorientierung in unserer Gesellschaft, alles muss immer perfekt sein. Und dabei ist Yoga ja genau das Gegenteil. Es ist eine Reise, die findet einerseits körperlich statt und sorgt in der Tat für mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden. Vor allem ist es aber eine mentale Reise. Loslassen, alles mal gut sein lassen und bei sich sein, im Hier und Jetzt.

Und ich glaube, es ist an uns Yogalehrerinnen und Yogalehrern das zu vermitteln. Und zwar sehr unprätentiös und lebensnah. Vielleicht mit weniger „Hochglanz-perfekte-Positionen“, wie sie oft zu finden sind. Jeder kann Yoga machen, jeder fängt einfach da an, wo er gerade ist und entwickelt sich. In seinem Tempo und nach seinen Möglichkeiten. Und das ist vollkommen in Ordnung so. Viele schrecken auch vor dem spirituellen Aspekt zurück, assoziieren Yoga mit Räucherstäbchen und Om. Und das ist ihnen irgendwie „too much“. Ich glaube, auch hier liegt es auch an uns Lehrenden, dass der mentale Aspekt des Yogas ganz vielseitig ist und auch ganz unterschiedlich gelebt und praktiziert werden kann. Und dass es eine große Auswahl an Lehrenden gibt, die diese ganz unterschiedlichen Aspekte auf ihre Art abbilden, so dass für jeden ein Zugang möglich ist. So vielseitig und zugleich individuell wie wir Menschen nun mal sind.


7. Yogalehrerin Jule Langer von www.savasana-yoga.de


Wie sieht bei dir die perfekte Yogastunde aus? Verwendest du Musik oder Duftkerzen? Gibst du deiner Yogastunde vorab ein Thema, über das du einen Einstieg findest?

Ich glaube, die perfekte Yogastunde entsteht vor allem beim Yogi selbst. Es muss die Verbindung zwischen Lehrer und Schüler stimmen, wenn nicht, kann alles perfekt vorbereitet sein, die Musik stimmt, die Lautstärke ist angenehm, das Ambiente gemütlich und einladend, das Thema oder der Fokus der Stunde und die Asanas passen zur eigenen Lebenssituation. Aber wenn man sich gegenseitig nicht vertrauen kann, dann wird es keine “perfekte” Stunde geben. Dennoch bereite ich natürlich alles so vor, dass der Yogi gut ankommen und die Stunde geniessen kann. Meistens gibt es Musik – Mantren und sanfte Klavierstücke, manchmal nicht. Manchmal gibt es ein Rächerstäbchen, meistens nicht. Aber immer mache ich normale Kerzen an. Einen Fokus für die Stunde zu setzen, finde ich wichtig. Manchmal gebe ich ihn vor und manchmal dürfen die Yogis ihre eigene Intention für ihre Yogastunde finden. Jede Stunde ist anders, aber jede Stunde unterrichte ich mit viel Herz und Freude.  

Wieso glaubst du, machen in Deutschland nur 5 Millionen Menschen Yoga. Glaubst du auch, dass viele Leute zu früh aufgeben und vielleicht nicht auf ihr Inneres während der Yogastunde schauen wollen?

Hierzu habe ich ein kleines – an manchnen Stellen lustiges – Büchlein geschrieben:

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Ich glaube, es sind einfach zu viele Vorurteile oder falsche Vorstellungen und Ängste, weswegen sich viele gar nicht in eine Yogastunde trauen. Aus verschiedenen Gründen denken sie, es wäre nichts für sie. Und manchmal, wenn sie sich aufgerafft haben und eine Stunde ausprobiert haben, dann geben sie auf statt weiter auszuprobieren, auch bei anderen Lehrern oder verschiedenen Stilen, wenn sie nicht das “bekommen” haben, was sie vielleicht erwartet haben.  

Vielen Dank an Euch alle!
Namasté

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