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Kaizen – Vom Management zum Lifestyle

Kaizen – Vom Management zum Lifestyle

Gastartikel von von Tassja Buch/Image by Myriam Zilles from Pixabay
Artikel enthält Werbelink*/Anzeige (aufgrund von Namensnennung)

Wir sehnen uns nach mehr Lebensqualität – ein Leben in Glück und Freude. Doch wissen wir oft gar nicht, was das tatsächlich bedeutet und wie wir dort hinkommen. Unser Ziel ist so unklar wie der Weg. Ich erzähle dir, wie ich einen eigenen Lebensstil mit mehr Qualität erschuf basierend auf Modellen aus der Autoindustrie.

Der neue Trend Kaizen

Vor 10 Jahren war ich bereits im Studium begeisterte Zuhörerin von dem Thema Kaizen. Das Thema war für mich sogleich abstrakt als auch faszinierend, da ich nicht sehen konnte, wie man es in der westlichen Kultur integrieren kann. Trotzdem löste das Thema ein Kribbeln in mir aus. Viele Jahre im Berufsleben vergingen und ich hörte von dem Begriff Kaizen nie wieder. Ich erkannte, dass der neue Trend zur Agilität ging. Somit beschäftigte ich mich mit agilem Projektmanagement und erkannte starke Gemeinsamkeiten zu Kaizen. Dies war der Punkt, wo ich Kaizen aus den hinteren Gewinden meiner Gedanken wieder hervorkramte. Ich erkannte nun schnell, dass Kaizen gar nicht mehr abstrakt für mich war und dass man es einfach in sein Leben integrieren kann. Kaizen war für mich nicht mehr eine Management-Philosophie, sondern wurde zu meinem Lifestyle.

Aber woher kam der Sinneswandel, dass ich Kaizen plötzlich nicht mehr als abstrakt ansah?

Berufs- und Lebenserfahrungen waren ein Punkt. Ein weiterer war, dass ich während meines Auslandsaufenthaltes und meiner vielen Reisen erkannte, dass ich viele Dinge als selbstverständlich ansah, welche es aber in anderen Ländern gar nicht sind. Mein eigens ausgebautes ungeschriebenes Regelwerk war nicht mehr haltbar in anderen Situationen. Mein Mindset wurde dadurch in vielen Bereichen erweitert – vor allem zum Thema Nachhaltigkeit. Im Berufsleben erkannte ich, dass Agilität anscheinend bedeutet, dass man die Prozesse ständig ändert, um zu Testen, ob sie besser werden – ohne jegliche Struktur. Die Ausrichtung ist lediglich am Produkt, aber der Weg dahin ist mit Stolpersteinen behaftet oder teilweise sehr unklar. Diese ständigen Änderungen sind eine extreme Zeit, Energie und Ressourcenverschwendung. An diesem Punkt fielen mir wieder die Kaizen-Prinzipien ein.

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Was ist Kaizen?

Kaizen setzt sich zusammen aus:

Kai = Wandel, Verbesserung
Zen = zum Besseren


Es handelt sich dabei um einen kontinuierlichen Optimierungsprozess, welcher diesen drei Hauptprinzipien folgt:

  • Keine Verschwendung
  • Keine Unebenheiten
  • Keine Überlastung

Kaizen Management

Ursprünglich als Management-Philosophie von dem Autohersteller Toyota ins Leben gerufen, haben die Japaner daraus von Anfang an eine umfassende Lebenskultur geschaffen. In den westlichen Ländern fand Kaizen Einzug in abgewandelter Form, welche als Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) bekannt wurde. Es wurden dabei von den westlichen Kulturen mit Absicht einige Grundgedanken nicht übernommen, wie beispielsweise die Eigenverantwortlichkeit des beteiligten Individuen sowie der Zen-Aspekt.

Was hat Kaizen mit Zen-Lehre zu tun?

Hast du bemerkt, dass im Wort Kaizen das Wort Zen drinnen steckt? Zen ist eine aus dem chinesischen Buddhismus stammende Strömung. Das Wort Zen bedeutet aus dem Sanskrit übersetzt Meditation und setzt den Fokus auf das bewusste und achtsame Leben im Hier und Jetzt. Zen ist zwar ein meditativer Lebensstil. Man muss dazu nicht zwangsweise mit gekreuzten Beinen in Stille sitzen, sondern praktiziert die Achtsamkeit aktiv im Alltag während seiner Aktivitäten.

Kaizen Lean-Management

In der Zen-Lehre – oder auch als Zen-Living bezeichnet – wird von Multitasking abgesehen. Aufgaben werden nacheinander und langsam erledigt, dafür aber mit Genuss und Liebe. Dies bedeutet, dass wir unseren Lebensstil von Quantität zu Qualität zu ändern, da wir sonst keine Zeit hätten, unsere Tätigkeit mit Ruhe zu genießen. Dadurch erfolgt eine automatische Fokussierung auf das Wesentliche. Zwischen den Aufgaben nehmen wir uns Zeit, um zu reflektieren. Die Zeit der Reflexion ist von hoher Wichtigkeit. In Unternehmungen sowie für Individuen ist dies der Zeitpunkt, wo man Revue passiert, ob man auf dem Weg zum Besseren ist oder man noch nachjustieren muss. Nimmt man sich keine Zeit zum Reflektieren, arbeiten wir weiter in eine Richtung, die nicht effektiv ist und die uns nicht dorthin bringt, wo wir hin wollen. Und sollten wir doch unser Ziel erreichen, dann geschieht dies mit einem großen Umweg, den man einsparen könnte, wenn man die Prozesse schlanker und mit Fokus auf das Wesentliche konzentrieren würde (siehe auch Lean Management).

Was sind die Schritte beim Kaizen?

Kaizen bedeutet keine Veränderung von heute auf morgen. Es bedeutet, dass man in kleinen, aber bedeutenden Schritten sich zum Besseren wandelt. Der Weg ist das Ziel– nicht das Ankommen. Der Fokus ist im Jetzt. Natürlich darfst du dir Ziele setzen, damit du deine Richtung kennst und danach deine Strategie ausbauen kannst. Ziele sind unser Motor, der uns jeden Tag aus dem Bett holt. Ziele geben uns einen Fokus und sind daher im Kaizen sehr entscheidend. Bei der Wahl des Ziels spielen deine Werte eine entscheidende Rolle. Angefangen bei der großen Frage, ob du ein Leben im Haben oder im Sein (siehe Erich Fromm – „Haben oder Sein“) führen willst?

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Kaizen im Alltag

Die Veränderungen sind so klein, dass sie kaum bemerkbar sind, aber im Ganzen einen wesentlichen Teil dazu beintragen das Ziel zu erreichen. So erzählte mir ein Bekannter davon, dass wenn er morgens nur 10 Minuten früher aufsteht, er die Zeit wie folgt nutzt: 4-minütiges Tabata-Workout, 2-minütige Dusche und 4 weitere Minuten zur Strukturierung seines Tagesablaufes und seiner Aufgaben. Er spart damit Zeit und Geld im Fitnessstudio und kann seinen Tag strukturierter und energetischer starten.

Ein anderes Beispiel: Du willst pro Jahr deinen Müllverbrauch um mindestens 20 Prozent verringern. Du kaufst dir jeden Tag einen Kaffee to go (davon abgesehen, dass to go nicht am Zen-Aspekt ausgerichtet ist) in einem Pappbecher. Nun tauschst du den Becher zu einem mitgebrachten Thermobecher um. Du trägst somit dazu bei, dass du 7 Becher pro Woche – also 365 Becher im Jahr – der Umwelt zu Gute ablehnst. Zudem bildest du damit ein Vorbild für andere. Das gleiche Prinzip wende ich beim Mittagessen an, wenn ich in der Mittagspause mir etwas vom Café nebenan gönne. Ich bringe einfach meine eigene Dose mit, anstatt mir eine Plastikverpackung geben zu lassen. Und so packe ich jeden Tag von Neuem an und integriere kleine aber feine Veränderungen zum Besseren. Der Clou: Man muss diszipliniert sein.

Natürlich bin ich auf meinem eigenen Weg auf Umwege geraten, natürlich gab es Rückschritte. Aber diese bestärkten mich immer noch mehr darin, dass Kaizen der richtige Weg für mich ist. Man kann nichts falsch machen, wenn der Fokus der Weg zum Besseren und zu mehr Lebensqualität ist. Wir haben nur ein Leben. Lasst es uns so qualitativ wie möglich gestalten…

Buchtipps zum Thema Kaizen

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Vielen lieben Dank, liebe Tassja, für diesen schönen Artikel. Ich hatte vorher noch nichts von dem Thema mitbekommen. Man lernt nie aus.
Namasté

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3 comments

  1. Robert Vogt says:

    Man kann nichts falsch machen, wenn der Fokus der Weg zum Besseren und zu mehr Lebensqualität ist. Wir haben nur ein Leben. Lasst es uns so qualitativ wie möglich gestalten…

    Jaa! Dies ist ein toller Ansatz. Jeden Tag etwas bewusster, nachhaltiger, lebendiger, achtsamer Sein und Leben. “Besiege Eile mit langsamkeit” besagt eine Schaolin Weisheit. Das Inne halten und reflektieren, der Fokus auf das Wesentliche erInnert mich an diese Weisheit. Wünschen wir uns doch immer wieder neu diesen Inneren Frieden und Fokus. Im Wesentlichen geht es doch um das Leben unseres Wesens, um das Ausleben unserer Eigengesetzlichkeiten, um ein wahrhaftes Verwirklichen. Damit wir erkennen, ob wir auf diesem Weg sind, lohnt es sich langsam alles zu machen und zu schauen, ob die Tätigkeit zum eigenen Wesen passt und einem lebendigen Kosmos dient.
    Vielen Dank Tassja für diesen tollen Beitrag, er passt auch in unseren Blog und in die Facebook Gruppe “Es muss unter die Haut gehen”, denn wenn ich begeistert bei der Sache bin, dann ist das ein gutes Zeichen, das ich was mache, was meinem Wesen entspricht.

  2. Einen Wandel gestalten hin zu mehr Lebendigkeit, diesen Weg will ich jeden Tag gehen, siehe dazu auch mein Text auf der Seite vom Multitalent Johannes Anunad https://dieneuezeit.mitananda.info/2019/09/30/lebendig-sein/

  3. Hallo lieber Robert,
    das hat du so wunderbar gesagt. In der Ruhe liegt die Kraft oder mit deinem Zitat „Besiege die Eile mit Langsamkeit”. Das ist natürlich in einer immer schneller lebenden Gesellschaft sehr schwierig. Da wird der Alltag voll gepackt mit Terminen um am Ende des Abends bricht man völlig erschöpft zusammen. Ist das der Sinn des Lebens? Ich denke eher nicht. Dadurch, dass wir den ganzen Tag Termine haben und immer nur Leistung abliefern, sind wir nicht wirklich bei uns. Das Leben sollte mit viel mehr Achtsamkeit für den gegenwärtigen Moment gelebt werden. Und dazu gehört nun mal Ruhe und keine Hektik. Aber viele sind den ganzen Tag nur unter Strom. Für mich sind Yoga und Meditation dann ganzwunderbare Hilfmittel um mich wieder mit mir selbst zu verbinden.
    Vielen dank für dein Statement
    Ganzwunderbare Grüße
    Melanie

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