Zeit für Veränderung

Zeit für Veränderung

Heute möchte ich den fünften Teil der sechsteiligen Reportageserie „Inside Lalla und Vilas“ vorstellen. Ein Erfahrungsbericht von Moni, die Karma Yogini, während eines Tages ihrer Yogaausbildung bei Lalla und Vilas von der parApara Yogaakademie.

Yogaakademie parApara

Was genau ist ein Karma Yogini?

Vilas: Karma Yoginis und Yogis sind Studenten, die sich aufgrund ihrer speziellen Lebenssituation die Ausbildung nicht finanziell leisten können. Wir vertreten die Grundsätze, dass, wenn jemand sich berufen fühlt, eine so anspruchsvolle und herausfordernde Ausbildung machen zu wollen, der finanzielle Status kein Hinderungsgrund sein darf. Deshalb vergeben wir pro 10 Ausbildungsplätze einen Karmaplatz, für den man sich bewerben muss und der festgelegten Richtlinien folgend, dann die Qualifikanten aussucht. Diese Yoginis und Yogis werden dann von uns in den Ablauf der Veranstaltung mit speziellen Aufgaben eingebunden. Es kommt auch ab und zu vor, dass ein anderer Student, dem das Finanzielle leichter fällt, die „Patenschaft“ für einen Karmaplatz übernimmt.




Moni:
So euphorisch ich auch am gestrigen Tag nach den Erfolgserlebnissen ins Bett gegangen bin, so müde und kaputt bin ich an diesem Morgen aufgewacht. Äußere Umstände ließen mich wenig schlafen und ich hatte kaum Zeit über den Inhalt der Immersions nachzudenken.

Den Tag begann Vilas wie gewohnt mit Om und dem Mantra, nur diesmal meinte er, verbinden wir uns mit Lalla und ihrer Gruppe in Mainz/Nieder-Olm, die zur gleichen Zeit das Gleiche tun. Ein sehr schönes Gefühl.

Yogaakademie – Aufwärmen beim Yoga

Danach erklärte er uns, warum das Aufwärmen so wichtig ist. Wir müssen unsere 4 Tore öffnen, die beiden Schulter- und Hüftgelenke, und die großen Muskelgruppen dehnen. Jeder von uns hat andere Voraussetzungen, andere „Voreinstellungen“, bedingt durch unsere Bewegungs- und Haltungsmuster. Viele Mensch leiden heute vor allem an einer Verkürzung des Iliopsoas (Sitzen) und der ischiocruralen Muskulatur der hinteren Oberschenkel. Der Schultergürtel ist durch gekrümmte Sitzhaltungen und monotone Arbeiten bei vielen Menschen zu schwach und falsch ausgerichtet.

Hüftöffner beim Yoga

Vilas bezeichnete das Becken als „Kummerkasten Nummer 1“, denn dort kann neben muskulärer Fehlhaltung auch emotionaler Ballast zu Bewegungseinschränkungen führen. Das Becken ist nicht nur ein Tor des äußeren, sondern auch ein Tor des inneren Körpers: Die Enge dort kann auch von einem psychischen Problem wie Kontrollzwang oder Angst herrühren. Diese Erkenntnis hat mich tief berührt. Ich bin mir sicher, dass meine Schwierigkeiten mit den Hüftöffnern (diese Verklemmung, wie ich es gestern formuliert habe) eine starke emotionale Komponente haben. Es ist meist schwierig und langwierig die inneren Tore zu öffnen, denn die Menschen verfügen über ausgeprägte innere Selbstschutzkonzepte, einen „inneren Schweinehund“, wie einer der Schüler so schön eingeworfen hat. Yoga berührt immer auch die Seele, den inneren Körper und kann dadurch helfen diesen emotionalen Ballast zu bewältigen. Als Beispiel hat uns Vilas von seinem langen Weg zur sitzenden Vorbeuge berichtet.

Vilas mahnte uns, dass wir jeden Tag unsere Tore öffnen sollen, auch wenn wir wenig Zeit haben. Neben der Routine des morgendlichen Kaffees könne man sich genauso gut eine Yogaübung angewöhnen. Dazu müsse man nur eine bestehende Schaltung im Kopf durch eine andere ersetzen.

Yoga mit Gurt

Eine gute Übung dafür ist Eka Pada Supta Padangusthasana, der Schlüssel Nr. 1. Vilas führte uns sehr langsam und genau in die Übung ein, bevor wir sie alle mit Gurt an der Wand üben durften. Mit dieser Übung schaffen wir Weite im Becken, integrieren und manifestieren sie. Das regelmäßige Üben ist deshalb so wichtig, da nicht nur die Muskeln verkürzen und Fehlhaltungen der Gelenke provozieren, sondern auch die Faszien, die alles umfassen und feinstofflich versorgen. Und diese Bindegewebshüllen dehnen sich viel langsamer als die anderen Strukturen.

Die Übung war für mich erstaunlich anstrengend. Ich hatte das Gefühl, dass meine Beine, vor allem die Unterschenkel, eine regelrechte Abwehrhaltung einnehmen. Sie haben gekribbelt und geschmerzt. Das hätte ich von der Übung nicht erwartet. Was mich noch sehr belastet hat: Mein Herz wollte heute nicht weich werden. Es war für mich sehr schwer, eine Basis zu schaffen, geschweige denn, mich dem Höheren zu öffnen. Als ob die Verklemmung des Kopfes gestern zu meinem Herzen gewandert wäre.

Shri, Satya, Svantantrya

Nach dieser kurzen Praxiseinheit haben wir ein sehr spannendes neues Thema begonnen: Die drei S: Shri, Satya, Svantantrya.

Shri ist das intrinsisch Gute, eine Quelle von Wissen und Erkenntnis. Vilas hat es sehr schön formuliert: „Shri ist in jedem von uns. Wie ein weißes Blatt, dessen Fasern aus Shri bestehen: Alles (Gute) ist möglich.“ Wir bemalen dieses Blatt im Laufe unseres Lebens. Allerdings: Durch das Negative, durch Geld und Neid, kann dieses weiße Blatt auch vergilben, aber die Fasern bleiben Shri.

Wie manifestiert sich Shri in unserem Leben? Die Antwort kam sehr schnell: Durch das erste A, die innere Haltung, und durch das erste Prinzip. Wenn wir Schüler anschauen, so meinte Vilas, sehen wir eine ganze Menge an Shri: Die Schüler sind da. Sie wollen etwas Lernen. Dabei trägt jeder Schüler alles was er dazu braucht bereits in sich und: wir können davon ausgehen, dass jeder dabei sein Bestes gibt. Das ist Shri.

Um das zu sehen müssen wir nur offen sein und empfangen wollen. Zum Nachdenken hat mich folgender Gedanke einer Schülerin angeregt: Die kostbarsten Menschen sind meist die, die mir nicht auf Anhieb sympathisch sind. Denn nur von ihnen können wir lernen, auch wenn und das in diesem Moment schwer fällt. Shri hilft uns dabei, die Brücken zu bauen.

Das Positiv sehen – Yogaakademie

Man kann Shri auch daran erkennen, sagt Vilas, dass die Welt an und für sich intrinsisch gut ist. Sie erneuert und verändert sich ständig, um zu leben und das Leben zu fördern. Die Schlechtigkeit existiert dabei oft nur aus der individuellen, beschränkten Sicht auf die Dinge. Vilas hat uns daraufhin aufgefordert, mindestens drei der eigenen Tugenden, drei persönliche, gute Qualitäten, aufzuschreiben. Es ist sehr schwer für mich,  mich selbst loben. Ich kann Lob von anderen Menschen meist schon sehr schwer annehmen und Eigenlob noch schwerer… Ich versuche zufrieden zu sein. Ich versuche, immer das Gute und das Schöne zu sehen, vor allem wenn das Leben wieder unberechenbar war. Ich versuche bewusst zu leben und niemanden durch mein Handeln zu verletzen oder zu schaden. Ich versuche den Menschen zu helfen, wenn es ihnen schlecht geht…

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Shri bewirkt dabei etwas ganz großartiges: Jeder gute Blick, jeder gute Wunsch kann die Welt verändern. Wenn wir uns dem Shri in uns bewusst werden, unserer inneren Haltung bewusst werden, können wir uns selbst verändern und mit uns verändert sich alles. Auf der Matte bedeutet Shri, sich selbst zu lieben, sich anzunehmen, so wie man gerade ist und  Vertrauen zu haben, dass man an sich selbst wächst.
Genau das ist sehr schwer für mich. Ich selbst bin meist mein größter Kritiker. Und am heutigen Tag, hatte ich zudem noch das Gefühl, dass mein Herz sich nicht öffnen will. Ich stimme all den wunderbaren Dingen über das Gute in uns vollkommen zu, und doch fällt es mir unwahrscheinlich schwer, sie auf mich anzuwenden.

Yoga weiter üben

An dieser Stelle hat uns Vilas in die Kleshas von Patanjali eingeführt. Diese Kleshas halten uns davon ab, einen ruhigen Geist zu haben und inneren Frieden zu finden. Die ersten beiden behindern uns, dass Shri in uns zu erkennen: Avidya (Ich meine zu wissen, was richtig und was falsch ist) und Asmita (Ich meine zu wissen wer ich bin).
Die darauf folgende Yogaklasse hat Vilas unter das Thema Shri gestellt. Es war für mich heute sehr hart zu üben, auch wenn der Unterricht sehr schön war. Ich hatte weiterhin Probleme damit, mein Herz weich werden zu lassen. Es war ein Kampf mit mir selbst, bis ich beschlossen habe, es einfach so hinzunehmen. Ich hatte heute nun mal Probleme mich zu öffnen. Ich hatte heute einfach keine rechte Lust auf Anstrengung. Daraufhin war es viel leichter. Am Ende Praxis war ich erschöpft, aber glücklicher. Ich war wieder bereit mich zu öffnen.

Nach der Pause lernten wir von Vilas Satya und Svantantrya, das zweite und dritte S, kennen.

Satya bedeutet „Das, was ist“. Satya finden wir im Hier und Jetzt, es ist der Zustand, in dem wir uns jetzt befinden. „Ich muss mein weißes Blatt voller Shri mit dem verbinden, was ist“, hat Vilas sehr schön gesagt. Satya zeigt uns unsere guten, aber auch unsere schlechten Seiten und Shri macht nur Sinn, wenn man auch das Negative akzeptiert.
Negativität hatte ich heute mit meinem verklemmten Herz genug in mir. Erst als ich diese akzeptiert hatte, ging es mir besser.

Satya ist mit den weiteren drei Kleshas von Patanjali verbunden: Raga (Von der Idee getrieben sein, etwas haben zu wollen), Dvesha (Nicht [wahr]haben wollen) und Abhinivesha (Urangst vor dem Tod).

Freiheitsförderndes Handeln

Das dritte S heißt Svantantrya und bedeutet „Freiheit förderndes Tun“. Es ist die nächste Stufe auf Shri und Satya, aus ihr folgt freiheitsförderndes Handeln. Ein fortgeschrittener Yogi wird viele Dinge nicht mehr tun wollen, wenn sie nicht freiheitsfördernd sind. Svantantrya, das Streben nach Freiheit, ist dabei jedoch immer in Shri und Satya eingebettet, weshalb es nicht aus egoistischen Gründen entstehen kann.

Die drei S verhalten sich synchron zu den drei A´s: Sie lassen sich auch mit Bhakti (Herz), Jnana (Geist) und Karma (Tun) beschreiben. Der yogische Weg definiert sich über Shri, Satya und Svantantrya.
Der Tag heute war sehr spannend, sehr lehrreich und für mich besonders herausfordernd. Ich musste am Heimweg darüber nachdenken, warum es mir heute so schwer gefallen ist, mich zu öffnen. Ich glaube, es ist die Angst vor der Veränderung. Yoga verändert. Die Immersions sind sehr intensiv und berühren mich sehr stark. Ich möchte diesen Weg des Yoga gehen, aber vielleicht sollte ich mir mehr Zeit lassen, die Dinge auf mich wirken zu lassen. Ich werde mich auf diesem Weg verändern, doch so sehr ich es will, so sehr fürchte ich mich auch davor. Ich fühle mich ein wenig so, als ob ich zwei Personen wäre. Ich glaube, dass mir das mein verklemmtes Herz heute sagen wollte: Lass dir Zeit.

Hier geht es zu den anderen Artikeln der Reportageserie:


Hier geht es zu den ganzwunderbaren Büchern von Lalla und Vilas (alles Werbelinks):
HOYO Hormonyoga Übungsbuch
Pranayama 1
City Yoga at Home
Asana-Index 1
Yoga als Therapie 1


Wenn auch du eine Ausbildung bei Lalla und Vilas machen möchtest, schau doch mal auf ihrer Webseite www.lallaundvilasyoga.de vorbei!

Namaste
Yogablog Ganzwunderbar

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