Written by 21:26 Achtsamkeit, Emotion, ganzwunderbar

Beziehungsmuster erkennen und ändern

Was kann ich tun, um Beziehungsmuster erkennen und ändern zu können?
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Photo by Kelly Sikkema on Unsplash


Wer sich also täglich über die Haare im Waschbecken aufregt, die der Partner dort morgens nach der Körperpflege hinterlässt, sollte dann auch an ihm schätzen, dass er direkt nach dem Aufstehen die Spülmaschine ausräumt, den Kaffee kocht, den Müll nach draußen bringt, gut gelaunt ist und zudem auch ein liebes Wort sagt. Dann überwiegen die positiven Dinge deutlich und man wird darüber hinwegsehen können.

Dies erschafft in der Beziehung ein positives Grundgefühl. Man achtet sich gegenseitig und schätzt sich. Alles bleibt im Gleichgewicht und verläuft harmonisch. Streitet man sich dann doch einmal wegen der Haare im Waschbecken, so wird diesem Konflikt keine größere Bedeutung beigemessen. 

Beziehungsmuster erkennen und negative Wahrnehmungen ändern

Ist das Verhältnis anders – die negativen Wahrnehmungen überwiegen also – dann wird der einzelne Konflikt auch ganz anders betrachtet. Man gewichtet ihn als wesentlich wichtiger und vorherrschender. Aus dem Dilemma, aus jedem Streit eine Grundsatzdiskussion entstehen zu lassen, kommt man dann schwer heraus. Das führt zum Teufelskreis der nicht endenden Streitereien und letztendlich im schlimmsten Fall zum Aus. Die negative Grundeinstellung führt im Körper zu gewissen Reaktionen. Dieses wurde durch moderne Techniken genau erforscht.

Das Herz schlägt schneller und es werden große Massen an Stresshormonen produziert. Somit wird durch diese Reaktionen ein konstruktives Streitgespräch so gut wie unmöglich gemacht. Letztendlich wird der Streit eskalieren. Aus der Mücke wird sprichwörtlich der Elefant. Gottman bezeichnet exakt diesen Moment als sogenannten Kippschalter. Jeder kehrt auf seine egoistische Ebene zurück und stellt die Partnerschaftsfortführung generell infrage. Gedanken nach Trennungswünschen verstärken sich.

Fünf Beziehungsmuster nach Gottman

Gottman unterscheidet zwischen drei stabilen und zwei unstabilen Beziehungsmustern. Die letzten beiden werden letztendlich zum Scheitern von Beziehungen führen. Nach seiner Balancetheorie ist ein 5:1-Verhältnis von positivem und negativem Verhalten die Grundlage aller funktionierenden Beziehungen. Dies kann jedoch nur in den ersten drei Beziehungsmustern gelingen. Nur so lässt sich dauerhaft Zufriedenheit und Stabilität erreichen.

Hier die drei stabilen Beziehungsmuster:

Die lebhaft-impulsive Partnerschaft

In lebhaft-impulsive Partnerschaften ist sowohl von vielem positive, aber auch vielem negativen Verhalten geprägt. Dem anfänglichen Verliebtsein auf Wolke Sieben kann auch der Sturz bis auf Wolke 1 folgen. Selbst körperliche Gewalt ist hier kein Tabu. Die kindliche Prägung hat oft dafür gesorgt, dass die Aggressionen nicht ausreichend kontrolliert werden können. Das innere Kind muss Heimat finden und sein Unterbewusstsein ausleben.

Die konstruktive Partnerschaft

Die konstruktiven Partnerschaften sind hinsichtlich des positivem und negativem Verhaltens ausgeglichen. Kompromissbereitschaft wird hier großgeschrieben. Es erfolgt von beiden eine sachliche und kooperative Diskussion. Bei vielen Grundwertvorstellungen ist man sich einig. Die große Gefahr bei diesem Beziehungsmuster besteht darin, dass man sich zu sehr aneinander gewöhnt und das sexuelle Interesse aneinander verliert. Der Partner ist also im Endeffekt der gute Kumpel. Plato lässt grüßen.

Die konfliktvermeidende Partnerschaft

Die konfliktvermeidende Partnerschaft vermeidet den Streit gänzlich. Das führt dazu, dass die Leidenschaft stirbt. Sollte es doch zu einem Streit kommen, dann explodiert es so richtig. Wenn es dann wirklich kracht, fliegen richtig die Fetzen.

Neben diesen drei Typen stabilen Partnerschaften erwähnt der Psychologe auch noch zwei Typen der instabilen Partnerschaften. Bei diesen wird das so wichtige 5:1 Verhältnis dauerhaft nicht eingehalten.

Bei den feindselig engagierten Beziehungen wird auf Kritik sofort aggressiv und offensiv reagiert. Es wird sehr verletzend gestritten und es geht deutlich unter die Gürtellinie. So ist die Wahrscheinlichkeit einer konstruktiven Lösung gleich null.

Die feindselig-distanzierten Partnerschaft 

In der feindselig-distanzierten Partnerschaft besteht eigentlich gar keine Partnerschaft. Jeder handelt isoliert für sich. Die Gefühle des anderen sind vollkommen egal. Der Rückzug voreinander ist vorprogrammiert. Man hat sich nichts mehr zu sagen, weil beide keinerlei Interesse aneinander haben.

Was kann ich tun, um Beziehungsmuster erkennen und ändern zu können?

Nachdem wir nun die grundlegende Theorie von John Gottman über die Beziehungsmuster erklärt haben, wollen wir dir nun erklären, wie du diese Beziehungsmuster in deiner eigenen Partnerschaft erkennen und verändern kannst. Die grundlegenden Dinge, die die unterschiedlichen Muster beinhalten, wurden die ja erklärt. Jetzt solltest du deine Beziehung zuerst einmal für dich analysieren. In welchem der fünf Muster steckst du selbst? Denk einmal in Ruhe darüber nach, wie oft und vor allem wie ihr euch streitet. Streit kommt in jeder Beziehung vor. Wer überhaupt nicht streitet, befindet sich möglicherweise schon in einer feindselig-distanzierten Partnerschaft. 

Beziehungsmuster erkennen und den Grund analysieren

Dann solltest du dir überlegen, ob du überhaupt noch Interesse an deinem Partner hast. Liebst du ihn überhaupt noch? Oder ist die Partnerschaft dir eigentlich völlig gleichgültig? Ist das so, dann macht eine Weiterführung keinen Sinn. Streitet ihr euch sehr oft, habt ihr vielleicht eine lebhaft-impulsive Partnerschaft oder eine feindselig engagierte Beziehung. Bei dem ersten Beziehungsmuster kann diese Beziehung auch langfristig funktionieren, beim zweiten nicht. Also analysiere den Grund und die Ursachen des ständigen Streits. Findet ihr noch eine gemeinsame Lösung oder ist das schon unmöglich? Hinterfrage dich selbst. Was empfindest du für deinen Partner? Liebst du ihn noch? Mach dir eine Liste und stell die positiven und negativen Dinge an ihn gegenüber. 

Wenn du erkennst, dass es ganz viel Positives gibt, ihr aber immer wieder über die identischen negativen Dinge streitet, dann arbeitet gemeinsam an eurer Einstellung und an der Streitkultur. Finde auch eigene Fehler, die du vermeiden kannst. Neigst du zum Beispiel unter Alkohol zu Gewalt, dann vermeide Alkohol. Vielleicht ist es genau so etwas, was zu den ständigen Konflikten führt. Sei also selbstkritisch.

Fazit

Sei selbstkritisch. Finde heraus, in welches Beziehungsmuster du immer wieder fällt. Gehe auch der Frage auf den Grund, warum das so ist und arbeite daran. Wenn du das beherzigst, dann kann es dir auch gelingen, dauerhaft glücklich zu werden.

Quellen: 

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