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Stehen wie ein Baum

Stehen wie ein Baum

Gastartikel von Sabine Kerse von www.fokusich.de /
Anzeige (enthält Werbelinks*) / Photo by Ben White on Unsplash

9 Gründe warum du regelmäßig stehen solltest wie ein Baum

Im vergangenen Monat habe ich täglich „Zhan Zhuang“ (sprich: Dscham Dschang) geübt. Übersetzt bedeutet es so viel wie „Stehen wie ein Pfahl“. Häufig werden aber auch Bezeichnungen wie „Stehen wie eine Kiefer“ oder „Stehende Säule“ verwendet. Doch egal wie es letztlich genannt wird, die Übung ist die Gleiche: Du stellst Dich hin und bleibst stehen. Fertig. Doch wie Du sicherlich schon ahnst: so einfach ist es dann doch nicht. Aber wenn Du Dich darauf einlässt, ist es eine fantastische Übung zur besseren Körperwahrnehmung, zur Entspannung und zum Kraft tanken. Doch der Reihe nach.

Der Ursprung der Übung stehen wie ein Baum

„Zhan Zhuang“ ist eine Übung, die in China über Jahrhunderte entwickelt wurde und häufig in der Qigong-Praxis eingesetzt wird. Qigong gehört zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und ist eine angenehme Methode zur Entspannung und zur Gesundheitsförderung. Die Lebensenergie „Qi“ steht dabei im Fokus, die durch regelmäßiges Üben („Gong“ = Arbeit oder Übung) aktiviert und gepflegt wird.Ich praktiziere schon seit mehreren Jahren Qigong, unterrichte selbst und habe über die Zeit festgestellt, dass ich puristische Übungen und Übungsformen mag. Mich einmal intensiver mit „Zhan Zhuang“ auseinanderzusetzen lag somit nah.

Die Standposition Qi Gong Baum

Wie oben bereits angedeutet, nur hinstellen ist es dann doch nicht ganz. Äußerlich scheint esso, doch für „Zhan Zhuang“ gibt es eine Vielzahl von Standpositionen. Oft unterscheiden sie sich nur durch die Hand-/Armhaltung. Ich habe mich für die Qigong-Grundhaltung entschieden. Das heißt:

  • Meine Füße standen schulterweit.
  • Mein Gewicht lag zu 2/3 auf dem Fußballen und nur zu 1/3 auf der Ferse.
  • Meine Fußgelenke und Knie waren gebeugt und gelöst, sodass ich es gut halten konnte.
  • Mein Becken habe ich aufgerichtet, indem ich meine Lendenwirbelsäule aufgerichtet hatte und ein Hohlkreuz vermieden haben.
  • Meine Brustwirbelsäule war aufgerichtet und gelöst.
  • Mein Kinn war leicht an den Hals herangezogen, um die Halswirbelsäule zu begradigen.
  • Mein Kopf strebte nach oben und ich habe mir vorgestellt, dass er von einem imaginären, seidenen Faden gehalten wird. Mit diesen Schritten ist die Wirbelsäule aufgerichtet und flexibel wie eine Perlenschnur.
  • Jetzt habe ich meine Zungenspitze hinter die obere Zahnreihe an den Gaumen gelegt – die sog. „Elsterbrücke“.
  • Meine Arme waren gerundet seitlich am Körper mit Luft unter den Achseln, als hätte ich einen Tennisball unter den Achseln.
  • Meine Handrücken zeigten nach vorne und meine Hände und Finger waren gelöst und entspannt.
  • Mein Brustbereich sowie mein Unterleib waren ebenfalls gelöst und entspannt
  • In der Wahrnehmung von oben und unten, habe ich mich nach unten ausgerichtet.
  • In der Wahrnehmung von innen und außen, habe ich mich nach innen ausgerichtet.
  • In der Wahrnehmung der Ein- und Ausatmung, habe ich eher die Ausatmung betont.

Und nun habe ich versucht den Kopf frei zu machen und weiter zu entspannen.

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Im „Zhan Zhuang“ ist es nicht nötig, sich auf irgendetwas zu konzentrieren. Im Gegenteil: je weniger ich nachgedacht habt, je weniger ich erwartet habe, desto mehr bin ich in die Entspannung kommen und habe viel mehr wahrgenommen.

Ich empfehle die Grundhaltung, das Stehen wie ein Baum sowie Qigong überhaupt bei einem ausgebildeten Qigong-Lehrenden, der unterstützen und ggf. korrigieren kann, zu lernen. Doch probiere diese Form des Stehens ruhig mal aus, damit Du eine Idee von der Haltung bekommst. Stehe nur so lange, wie es angenehm für Dich ist. Am Anfang sind es vielleicht nur ein paar Minuten und es fällt Dir schwer, dich zu entspannen. Das ist völlig in Ordnung. Übung macht auch hier den Meister.

Wirkung der Übung stehen wie ein Baum

Im Schnitt stand ich etwa 20 Minuten, wobei es zu Beginn – als ich die Übung kennengelernt hatte – tatsächlich nur wenige Minuten waren. Und ich gebe zu, ein Genuss war es am Anfang auch nicht. Ich habe zunächst jede kleine Verspannung gespürt und meine Gedanken waren kaum einzufangen. Aber mit der intensiven Praxis im vergangenen Monat ist die Übungsdauer immer länger geworden und ich habe bemerkt, dass sich was veränderte:

  • Meine Körperwahrnehmung hat sich verbessert. Ich war nun in der Lage durch minimale Haltungsänderungen oder gedankliche Fokussierung, Verspannungen oder Blockaden zu lösen.
  • Ich konnte die Bauchatmung leichter umsetzen, denn nach einiger Zeit konnte ich den unteren Rücken mehr lösen/entspannen und seitdem ist auch eine tiefere Bauchatmung möglich.
  • Das „nach unten und innen ausgerichtet sein“ hat mich im wahrsten Sinne des Wortes „runtergeholt“. Ich hatte ein Gefühl des tief-verwurzelt-seins mit der Erde, fest auf einem guten Fundament zu stehen. Das hat geholfen mein „Gedanken-Ping-Pong“ zu reduzieren. Ich war ruhig und entspannt.
  • Am Ende der Übung war ich erholt und wieder voller Energie. Die Zeit war quasi ein „power-nap“.
  • Darüber hinaus habe ich eine deutliche Schwere in den Armen gefühlt.

Auch wenn die Übung nach außen sehr statisch wirkt, passiert im Inneren doch sehr viel und es lohnt sich am Anfang durchzuhalten.

Hier nun 9 Gründe, warum Du regelmäßig stehen solltest wie ein Baum

  1. Du brauchst nichts dazu: keine besondere Kleidung, keine Hilfsmittel, keinen besonderen Ort.
  2. Die Übung ist von den körperlichen Anforderungen her leicht zu lernen.
  3. Deine Körperwahrnehmung verbessert sich.
  4. Zhan Zhuang hilft Dir zur Ruhe zu kommen. Die innere Zentriertheit wird gefördert.
  5. Nach Abschluss der Übung bist Du erholt und wieder voller Energie.
  6. Du tust etwas für Deine Gesundheit. Nach TCM – Verständnis hilft diese Übung, dass Qi ungehindert in unserem Körper zirkulieren kann – eine Grundvoraussetzung für körperliche Gesundheit.
  7. Die Tiefenmuskulatur (Faszien) wird gestärkt.
  8. Durch die tiefe Bauchatmung verbessert sich die Lungenfunktion. Beim Üben von Zhan Zhuang ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass inneres Wachstum wie das Wachsen eines Baumes seine eigene Zeit braucht, somit
  9. verbesserst Du auch Deine Geduld und Disziplin.

Mein Fazit aus dieser intensiven Übungspraxis ist, dass ich es ganz bestimmt beibehalten werde. Es tut mir einfach gut. Wenn alles mal wieder parallel zu passieren scheint und ich mit meinen Gedanken bei 1000 Sachen gleichzeitig bin, hilft es mir „am Boden zu bleiben“ – als Baum, fest verwurzelt tief in der Erde. Ein ganz wunderbares Gefühl.

Du möchtest mehr von Sabine Kerse kennen lernen? Dann schau doch gerne mal auf Ihrer Webseite vorbei.

Anbei noch Bücher zu dem Thema Qigong:

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