Welcher Ayurveda-Typ bist du?

Welcher Ayurveda-Typ bist du?

Gastbeitrag von Stefan Geisse, Induality


Yoga und Ayurveda haben Ihre Wurzeln in der indischen Philosophie – den Veden – und ergänzen sich prächtig. Diese ältesten Wissenschaften der Welt zeigen uns, wie wir den Menschen zu betrachten haben. Und empfehlen Wege wie wir unsere Gesundheit erhalten oder wiederherstellen können. Grundlage hierfür ist das Wissen um die eigene Konstitution.

Yoga ist Energie

Im Hatha-Yoga wird der physische Körper als Ausdruck unserer geistigen Verfassung verstanden. Ein gesunder Körper ist lebendig und durchströmt von Prana, der Lebensenergie.
Ist dieser freie Fluss der Lebensenergie durch geistige – und in Folge körperlicher Verspannungen und Blockaden behindert, plagen uns Schmerzen, wir fühlen uns erschöpft und energielos.
Eine Vielzahl von detailliert beschriebenen Körperübungen (asanas), Atem- und Energieübungen (pranayama) als auch Konzentrations- und Meditationstechniken (dharana) bringt diese Lebensenergie wieder in Schwung. Vorausgesetzt wir üben entsprechend unserer Konstitution und unseren Fähigkeiten.

Typgerecht üben mit Ayurveda

Der Ayurveda, die Wissenschaft vom Leben (Leben – Ayus und Wissen – Veda), beschriebt detailliert die unterschiedlichsten Konstitutionstypen. Jeder Mensch kommt mit einer bestimmten Prägung auf die Welt, die er durch seine Lebensführung und Ernährung unterstützt. Oder eben ins Ungleichgewicht bringt. Wir kennen das aus unserer eigenen Yogapraxis: Manche Menschen sind – auch ohne grosses Training – beweglicher als andere, einige bauen leichter Muskulatur und Kraft auf als andere. Manche sind ausdauernd, andere machen schneller schlapp obwohl sie regelmässig üben. Welche Übung ein Mensch gerade braucht, um seine Beschwerden zu lindern oder sein Potential zu entfalten, hängt von seiner Konstitution ab. Aber auch von den momentanen Bedürfnissen und Umständen. In meinem anderen Blogeintrag gebe ich Beispiele für die Eigenschaften unterschiedlicher Konstitutionen.

Konstitution nach Ayurveda bestimmen

In meiner Beratungspraxis nehme ich mir ausreichend Zeit, um die Konstitution des Klienten zu bestimmen. Dies bedarf neben einer fundierten Ausbildung grosse Erfahrung und Einfühlungsvermögen. Indem ich dem Klienten gut zuhöre aber auch aufmerksam beobachte (seine Sprechweise, Tonlage, Ausdrucksformen, Bewegungen, „Ticks“ usw.) bekomme ich schon einen ersten Eindruck. Ich erfrage darüber hinaus seine Krankheitsgeschichte, seine physischen Symptome aber auch seine psychische Befindlichkeit. Der Körperbau, Verdauung, die Ausscheidungen (Form, Farbe, Konsistenz, Häufigkeit) aber auch Träume, soziales Verhalten, bis hin zu Urlauben und Freizeitverhalten runden so immer mehr das Bild ab.
Nur ein Experte kann so zwischen angeborenen (pakriti) und aktuellen Störungen (vikriti) als auch zwischen den körperlichen Ordnungsprinzipien (doshas) als auch geistigen Qualitäten (gunas) unterscheiden – was heutzutage oft nicht beachtet wird.

Konstitution im Ayurveda bestimmen

Dennoch Fragen mich immer wieder Klienten nach einer einfachen Möglichkeit einer ayurvedischen Konstitutionsbestimmung. Folgende Fragen helfen, einen ersten Eindruck zu bekommen.
Ohne zu vergessen, dass dies nur zur Orientierung, jedoch nicht zur finalen Entscheidung ausreichen kann. Denn der Ayurveda beschreibt den menschlichen Organismus wesentlich komplexer!

Ordnungsprinzipien Doshas

Die Doshas sind Grundprinzipien, die jeden Lebensprozess steuern, nämlich Bewegung, Ausscheidung, Informationsverarbeitung (Vata aus dem Elementen Luft und Äther), Transformation,  Verdauung, Energie (Pitta aus den Elementen Feuer und etwas Wasser) und Stabilität, Zusammenhalt, Formgebung (Kapha aus den Elementen Erde und Wasser).
Jeder Mensch ist eine Mischung dieser Funktionsprinzipien. Es gibt nicht „den“ Vata-Typ, vielmehr hängt dies von der aktuellen Lebenssituation und –umständen ab.

Schneller Konstitutionstest

Kreuzen Sie bei allen drei Tests an, welche Aussagen auf Sie zutreffen. Die meisten Punktzahlen geben eine Indikation an, zu welcher Konstitution sie neigen. Es gibt natürlich auch Mischformen! „Ja“ gibt 5 Punkte, „nein“ 1 Punkt, „mittel“ 3 Punkte.

Vata-typische Eigenschaften

  • Ich handle schnell und bewege mich schnell.
  • Ich schlafe schlecht und wache immer wieder auf.
  • Ich bin gesprächig.
  • Ich habe einen leichten Körperbau und nehme schwer an Gewicht zu.
  • Ich rege mich leicht auf.
  • Ich bin lebhaft und begeisterungsfähig.
  • Ich bin ängstlich und mache mir schnell Sorgen.
  • Es fällt mir schwer Entscheidungen zu treffen.
  • Ich kann neue Informationen schnell aufnehmen.
  • Ich habe oft trockene Haut, besonders im Winter.

Pitta-typische Eigenschaften

  • Ich neige zu Ungeduld.
  • Ich habe einen scharfen Verstand.
  • Ich neige zu Perfektionismus.
  • Ich habe regelmäßig Stuhlgang und selten Verstopfung.
  • Ich bin aufbrausend, beruhige mich aber schnell wieder.
  • Ich habe eine gute Verdauung und kann essen was ich will.
  • Ich mag lieber kaltes als zu warmes Klima.
  • Ich hab einen guten Appetit und esse größere Portionen.
  • Bei Hunger werde ich gereizt und fühle mich unwohl.
  • Ich schwitze leicht.

Kapha-typische Eigenschaften

  • Ich habe ein gutes Langzeitgedächtnis.
  • Andere Menschen empfinden meine Natur als angenehm, gemütlich.
  • Es dauert lange bis ich gereizt und ärgerlich werde.
  • Bei weniger als acht Stunden Schlaf fühle ich mich unwohl.
  • Ich neige zu Molligsein. Ich nehme schnell Gewicht zu.
  • Mein Gang ist langsam und fest.
  • Kühles feuchtes Wetter sagt mir am wenigsten zu.
  • Ich neige nicht zu hektischem Verhalten und Arbeiten.
  • Meine Haut ist weich und sanft.
  • Mein Schlaf ist tief und fest.

Typgerechte Yogapraxis mit Stefan Geisse

Stefan Geisse ist vom international bekannten Remo Rittiner ausgebildeter Yogatherapeut, Ayurvedischer Ernährungs- und Lebensstilberater und Psychologischer Berater und zertifizierter Gesundheitscoach (IHK). Er leitet das Institut für Stressbewältigung, Gesundheit und persönliche Entwicklung in Zürich. Mehr über Stefan und Ayurvedische Konstitutionsbestimmung unter induality.  Stefan unterrichtet Yoga in Zürich und bietet Yogaferien auf Mallorca, Klosteraufenthalte in der Schweiz und Deutschland an. Aktuell leitet er vom 1.-4. September ein Retreat im Allgäu: Das lange Yoga- & Ayurveda-Wochenende.

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Vielen Dank, lieber Stefan, für diesen mal wieder sehr informativen Beitrag!
Namaste
Yogablog Ganzwunderbar

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